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Kitty Kat – Kattitude

VÖ: Sept./Okt. 2013 Label/Vertrieb: Deinemama Rec/Tonpool

Attitüde [ ˌatiˈtyːdə], (von französisch attitude, gesprochen atityd) nennt man in der Kunst die Haltung, Stellung oder Lage menschlicher Figuren. Zudem wird das Wort für eine Allegorie oder ein Symbol eines bedeutungsvollen Seelenzustands oder Lebensmoments gewählt.

„Kattitude“ – selten hat ein Albumtitel das Wesen einer Platte so treffend widergespiegelt wie im Falle des vorliegenden neuen Longplayers von Kitty Kat. Denn das Album kratzt nicht nur an der branchenübliche Oberfläche seiner Schöpferin, sondern geht unumwunden in die Tiefe und bietet schonungslose Einblicke in das bewegende Innenleben einer genauso starken wie verletzlichen jungen Frau.

Ausgangspunkt für den Sound und die inhaltliche Ausrichtung der neuen Platte war das Ende einer mehrjährigen Beziehung, deren Scheitern ehrlich und ungeschönt auf dem Album verarbeitet wird. „Die Platte ist ein Produkt einer sehr schwierigen Phase meines Lebens“, erklärt Kitty Kat, die mit bürgerlichem Namen Katharina Löwel heißt, und fügt hinzu: „Diese Erfahrung hat mich sehr nachdenklich gemacht, und das kann man auf der Platte sehr deutlich heraushören. Das Album ist ein Spiegelbild meines Herzens.“

Auch auf ihren bisherigen Veröffentlichungen hat die 31-jährige ihre verletzliche Seite nie verleugnet, dennoch wird mit dem Namen Kitty Kat in der Regel eine selbstbewusste und starke junge Frau assoziiert. „Ich bin ein sehr tougher Mensch. Ich kann nicht weinen, kann keine Schwäche zeigen – außer in der Musik“, so Kat. „Das ist ein bisschen so, wie es Jay-Z mal in einem Song beschrieben hat: ‚I can’t see ’em comin’ down my eyes/so I gotta make the song cry’.“

Das deutlichste Resultat dieser Zeit innerer Einkehr und Verarbeitung der schmerzhaften Erfahrungen einer gescheiterten Beziehung ist wohl das von einer melancholischen Klaviermelodie getragene „Aus und vorbei“. Aber auch ein Stück wie „Einer unter Millionen“ über die Launenhaftigkeit der Frau und die damit verbundenen Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Miteinander ist sicherlich der reflektierten Aufarbeitung von Kats Vergangenheit geschuldet.

Dennoch ist „Kattitude“ keine depressive Platte geworden. Warum auch? Dafür steckt viel zu viel Stärke und Lebensfreude in Kitty Kat, als dass sie sich dazu hinreißen ließe, lediglich in Selbstmitleid zu versinken. Außerdem besitzt sie viel zu viele Facetten, die mit nur einem einzigen Auszug ihre emotionalen Bandbreite nur schwerlich abzudecken gewesen wäre. Und so stellt sie einem ernüchterndem und bedrückendem Song wie bereits erwähntem „Aus und vorbei“ eben auch ein lebensfrohes Stück wie das wunderschöne „900 Meilen“ mit Luis Laserpower entgegen; ein Track über das Überwinden von Distanzen im Zeichen der Liebe und das unvergleichliche Gefühl der Vorfreude auf einen geliebten Menschen; ein Song, der so viel Hoffnung in sich trägt, das man sich daraus fast einen Vorrat anlegen möchte für schlechte Zeiten.

 

Kitty Kat ist eindeutig gewachsen, reifer und reflektierter geworden – aber nicht nur als Mensch, sondern auch als Künstlerin, deren kreative Energie längst über den Tellerrand des Rap-Genres hinauswächst. So sind auf „Kattitude“ deutlich mehr Gesangsparts zu hören als noch auf ihren Vorgängeralben „Miyo!“ und „Pink Mafia“; und auch ihre songwriterischen Fähigkeiten hat Kitty Kat deutlich hörbar ausgebaut. „Ja, ich habe mich intensiv mit Songwriting auseinandergesetzt“, gesteht Kat, die den Longplayer gemeinsam mit dem Berliner Dasmo produziert hat. „und im Zuge dessen eben auch mehr gesungen. Dennoch kann und will ich nicht von heute auf morgen aufhören zu rappen – dafür habe ich noch viel zu viel zu sagen.“

Dennoch markiert „Kattitude“ eindeutig den Schritt von einer bloßen Rapperin hin zu einer gewachsenen Künstlerin; einer gestandenen junge Frau, deren kreatives Schaffen weit über jedwede Genregrenzen hinausreicht und seine Entsprechung findet in so unterschiedlichen Songs wie das wunderschön ausgebremste „Hochhaus“ mit seiner kantigen Ohrwurm-Hook, dem poppigen Spätsommer-Hit „Du und ich“ oder dem versponnen-rebellischen „Wenn ich ein Gangster wär“.

Besonders zu Herzen geht das von wahren Begebenheiten inspirierte „Wie ich dich vermiss“. „Der Song entstand aus der Geschichte eines Freundes, dessen Vater sich umgebracht hat. Ich habe versucht, diese Geschehnisse aus der Sicht meines Freundes zu beschreiben, und das geht einfach unter die Haut.“ Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema ist Kat zudem bewusst geworden, dass der Tod mit zunehmendem Alter immer mehr zum Bestandteil des eigenen Lebens wird. „Da ist mir noch mal klar geworden, wie wichtig es ist, seine Zeit mit nahestehenden Menschen intensiv zu nutzen.“

Ein weiterer Grund für das mehr an Tiefgründigkeit auf Kitty Kats neuem Album, neben der bereits erwähnten Phase der Niedergeschlagenheit und Melancholie, ist sicherlich auch ihr Wegzug aus Berlin. Mittlerweile lebt Kat in Österreich, in der beschaulichen Steiermark in der Nähe von Graz. „Statt grauer Betonklötze und dem alltäglichen Großstadtdreck gibt es um mich herum nur noch Pflanzen und Tiere – das gibt einem eine ganz neue Inspiration“, findet Kat. „Dadurch habe ich nicht nur eine neue Sicht auf Berlin und das Großstadtleben bekommen, sondern auch mich selbst noch mal ganz neu kennengelernt. Man hat einfach mehr Ruhe um sich herum, um häufiger mal in sich selbst hineinzuhören.“

Dennoch ist und bleibt Kitty Kat natürlich immer noch Kitty Kat – auf dem neuen Album und darüber hinaus. Denn wie heißt es im Volksmund doch so schön: Du kannst Kat zwar aus dem Dschungel herausholen, aber den Dschungel nicht aus Kat. Oder so ähnlich.